Der Schritt in die Selbstständigkeit – Eröffnung meines Satshops
Wie im ersten Blog beschrieben, wurde es jetzt echt spannend. Die kontinuierliche Weiterentwicklung des privaten Fernsehens und der Fernseh- und Empfangstechnik schrien geradezu danach, etwas in dieser Richtung zu unternehmen. Also eröffnete ich im November 1991 mein eigenes Geschäft.
Ich hatte schon einige Monate quasi als „Außenstelle“ für den befreundeten Händler fungiert. Er annoncierte immer in unserer Lokalzeitung und gab meine Adresse mit an. Die Erlöse gingen, abzüglich einer kleinen Provision, natürlich an ihn. Gott sei Dank war es aber so, dass ich hier in unserer Kleinstadt mittlerweile mehr verkaufte, als er in seinem Dorf. So kam eigentlich von ihm der Vorschlag, mich auf eigene Füße zu stellen und mit ihm so eine Art Einkaufsgenossenschaft zu bilden.
So wurde es dann auch gemacht. Da ich im Sommer 1991 eh größere Baumaßnahmen auf dem Grundstück hatte, wurde die Baufirma kurzerhand damit beauftragt, die leer stehende Werkstatt meines verstorbenen Großvaters zu sanieren. Trockenbau und Inneneinrichtung habe ich selber gemacht.
Da ich aus alten Zeiten noch gute Beziehungen zu unserem ehemaligen zentralen Elektrogroßhandel hatte (der mittlerweile in einer größeren bundesweiten Kette aufgegangen waren), fiel es mir nicht schwer, das Sortiment über Satanlagen hinaus zu vervollständigen. So konnte ich am 1. November mit einem Vollsortiment bei brauner Ware starten.
Bei der eingeschränkten Verkaufsfläche konnte man natürlich nicht alles anbieten. Das ist aber auch eine Geldfrage. So ein Warenbestand muss schließlich auch finanziert werden. So beschränkte ich mich im Bereich TV & HiFi auf wenige Markenhersteller wie Philips, Nokia und Grundig.
Im Satbereich musste man da schon Kompromisse eingehen. Wir haben teilweise auch selber, speziell Außeneinheiten, importiert. Bei Abnahmemengen jenseits der 200 Stück ging das ganz gut. Es waren also immer einige preiswerte Anlagen im Angebot, wobei wir schon auf ein Mindestmaß an Qualität geachtet haben. Die damals bei uns so beliebten „Schnellrost-Gitterspiegel“ von Amstrad sind mir nicht über den Tresen gegangen. Die damaligen Receiver von dieser Firma haben wir allerdings in Größenordnungen verkauft und wenn man erst einmal wusste, wie man die Sicherung für die Stromversorgung des LNBs wechselt (die aufgrund der Nichtkurzschlussfestigkeit oft durchbrannte), hatte man damit auch wenig Probleme.
Als Markenware habe ich schon immer am liebsten TechniSat verkauft, aber auch Kathrein, Ankaro, Hirschmann (jetzt bei Triax), Wisi und später dann auch Arcon waren im Angebot. Damals wurde noch wild mit den verschiedensten Materialien für die Außeneinheiten herumexperimentiert. So kann ich mich an einen Kunststoffspiegel von Hirschmann erinnern, der auch ganz gut funktionierte, jedoch schnell seine Farbe verlor und damit echt unansehnlich war. Daher war TechniSat von Anfang an mit kunstoffbeschichteten Aluminiumspiegeln, Feedarm und Halterung aus Aluguss und Schrauben aus Inox der Vorreiter in Sachen Qualität und hat hier echte Standards gesetzt. Im letzten Jahr habe ich bspw. mehrere TechniSat-Spiegel auf Digital-LNB umgerüstet. Aufgrund der Umstellung auf 40-er Feedaufnahme braucht man manchmal einen neuen Feedarm oder auch nur einen Adapter. Aber Spiegel, Halterungen und Schrauben sind auch nach mehr als 15 Jahren voll finktionsfähig!
Dazu am Rande vielleicht ein kleine Anekdote: Genau dieser Kunststoffspiegel von Hirschmann wurde dann von irgendeiner No-Name-Firma nachgebaut. Die hatten allerdings nicht damit gerechnet, dass ein Spiegel, der auf Astra 19,2° O ausgerichtet ist, ziemlich genau nach Süden zeigt und in den Mittagsstunden außer den Hochfrequenzwellen vom Satelliten auch die Strahlung der Sonne bündelt
. Das Ende vom Lied waren dann manchmal halb geschmolzene, aber mindestens lustig deformierte Außeneinheiten. Undenkbar, wenn man sich heute mit solchen Problemen herumschlagen müsste!
Anfangs haben wir noch viel mit Single-Block-LNBs gearbeitet. Das bedeutete, dass man, um beide Polarisationsebenen empfangen zu können, mit sogenannten Polarizern arbeiten musste. Die gab es anfänglich als mechanische Ausführung, d.h. das LNB ist einfach mit einem kleinen Motor jeweils um 90° gedreht worden. Später kamen dann magnetische Polarizer auf, die das Magnetfeld im Feedhorn um 90° veränderten. Beiden Varianten gemein war, dass man zusätzlich zum Antennenkabel eine Steuerleitung ziehen musste.
Gerade im Sommer/Herbst 1991 kamen LNBs zu erschwinglichen Preisen auf den Markt, die die Polarisation elektrisch mittels einer 13/17 V Umschaltung regelten. (Wie das genau funktioniert, stelle ich später mal in einer generellen Abhandlung über die verschiedenen Empfangstechniken dar.) Das führte dazu, dass sogar Anlagen, die 1990 erst errichtet worden waren, 1991/92 umgerüstet worden sind.
So kam also zum Neugeschäft, das kaum etwas zu wünschen übrig ließ, auch damals schon das Ersatz- und Erweiterungsgeschäft (heute Cross- und Upselling) dazu. Rückblickend möchte ich also feststellen, dass der Start meiner eigenen Firma nicht besser hätte verlaufen können. Alleine in den letzten zwei Monaten des Jahres 1991 habe ich ca. 70 Anlagen (bzw. Receiver/Teilnehmer) verkauft und einen großen Teil davon auch installiert. Alleine am Heiligabend habe ich 7 Teilnehmer angeschlossen (abends dann auch noch im Schneesturm) und bin erst gegen 20 Uhr zur Bescherung nach Hause gekommen.
Im folgenden Jahr wurde ich dann erstmals mit dem natürlichen Feind des Satellitendirektempfangs konfrontiert. Wer das ist und wie man damit umgeht ist das Thema für den nächsten Blog.



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