Wie alles anfing – Antennenanlagen und Satempfang
Zu Zeiten der Wende, also um 1990 herum, arbeitete ich in der TV/HiFi-Abteilung unseres hiesigen Warenhauses im Osten unserer damals noch geteilten Republik. Ich hatte seit Beginn der 80-er Jahre bereits terrestrische Antennenanlagen gebaut und fühlte mich also dazu berufen, auch das Thema Satempfang aufzugreifen.
Soweit die Theorie. Im Mai 1990 erhielten wir dann die erste Ware unseres damaligen Partners Karstadt. Nach Sichtung der ca. 50! Paletten Ware, fiel mir doch nicht tatsächlich eine komplette Einteilnehmer-Satanlage von Nokia in die Hände. Trotz der teilweise 20-Stunden Arbeitstage und durchgearbeiteten Wochenenden, war die Neugierde groß und ich versammelte kurz darauf an einem Sonntagnachmittag meine Mitarbeiter/Innen bei mir zu Hause und wir wollten gemeinsam die Anlage aufbauen und erste Erfahrungen sammeln.
Das Ganze gestaltete sich zu einem echten Drama. Der Receiver hatte keinerlei Vorprogrammierung, V/H wurde über einen magnetischen Polarizer gesteuert (wobei keiner wusste, was das eigentlich für ein Teil ist und was es bewirkt) und uns war auch nicht so richtig klar, welchen Satelliten wie anpeilen sollten. Die Wahl fiel dann auf Astra 1 A auf 19,2° Ost, was damals noch ein bisschen exotisch war, denn schließlich waren eher Kopernikus und TV Sat angesagt. Um die Geschichte abzukürzen – wir probierten den ganzen Nachmittag rum und gaben dann ergebnislos auf. Was auch kein Wunder war. Wir hatten weder ein Pegelmessgerät, noch einen Kompass. Ahnungslosigkeit war auch bei den Themen Azimuth (Horizontalwinkel) und Elevation (Höhenwinkel) angesagt. (Wenigstens hatten wir noch einen schönen Grillabend
.) Damit wurde das Thema zu den Akten gelegt und in den Wirren der Währungsunion und Wiedervereinigung, fehlte einfach die Zeit, sich intensiver damit zu befassen.
Den nächsten (und entscheidenden) Berührungspunkt gab es im Herbst 1990, als die öffentlich/rechtlichen Programme die Übertragung der Formel 1 Rennen einstellten. Als Fan seit Beginn der 70-er war ich so komplett vom Renngeschehen abgeschnitten. Die einzige Möglichkeit hieß Satempfang, da man mit dem Kabel bei uns noch nicht soweit war. Also bereitete ich mich dieses Mal besser vor und erwarb bei einem kleinen Händler ca. 50 km entfernt (mittlerweile hatte ich das Warenhaus verlassen und war in der Lebensmittelbranche tätig) eine „preiswerte“ Einteilnehmer-Anlage. Aus Schaden klug geworden, achtete ich nun auch darauf, dass die V/H-Umschaltung per 13/17 V erfolgte, also keine zusätzlichen Steuerleitungen erforderlich waren.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte ich dann auch ohne Messgerät ein leidliches Bild und war echt stolz auf mich
. Nachdem ich das einigen Verwandten und Bekannten gezeigt hatte, waren die natürlich auch heiß und ich wurde mehrmals bei besagtem Händler vorstellig. Selbstverständlich „durfte“ ich all diese Anlagen als kleinen Freundschaftsdienst auch installieren.
Als ich ungefähr die zehnte Anlage dort holte, fragte er mich, was ich denn mit den ganzen Dingern machen würde. Wahrheitsgemäß berichtete ich und der gute Mann sah mich entgeistert an und fragte, ob ich denn komplett verrückt wäre, das alles unentgeltlich zu machen. Nachdem ich etwas in mich gegangen war, musste ich ihm Recht geben. Die logische Konsequenz, war dann eine Kooperation von uns beiden.
Aber das ist der Stoff für den nächsten Teil -> „Der Schritt in die Selbstständigkeit“


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